Metropole Orkest/ Vince Mendoza
      

 

 

 

 
     




m 11. September 2007 verstarb Joe Zawinul im Alter von 75 Jahren. Zum dritten Todestag folgt eine Ehrung der besonderen Art. Das holländische Metropole Orkest, eine der größten existierenden Kombinationen aus Big Band und Sinfonieorchester, präsentiert unter Leitung seines Chefdirigenten Vince Mendoza das Album „Fast City – A Tribute To Joe Zawinul“. Mit dabei sind die ehemaligen Weather Report-Musiker Victor Bailey am Bass und der Percussionist Alex Acuna sowie der Gitarrist und Sänger Amit Chatterjee, Keyboarder Jim Beard und der Schlagzeuger Peter Erskine.

„Fast City“ umfasst neun Kompositionen von Joe Zawinul, aus seiner Zeit mit den Bands Weather Report und Syndicate sowie als Solist. Sie wurden von Vince Mendoza für das Metropole Orkest neu arrangiert. Sechs der Aufnahmen entstanden im Januar 2008 während der „Zaterdagmatinee“ des niederländischen Radiosenders NPS im Amsterdamer „Concertgebouw“. Dazu kommen drei Aufnahmen eines Konzertes beim North Sea Jazz Festival in Rotterdam, im Juli 2008. Bei den Amsterdamer Aufzeichnungen ist Alex Acuna als Percussionist zu hören, in Rotterdam übernahm Efrain Toro diesen Part.

Die Beziehung Mendoza-Zawinul reicht weit zurück. Für Vince Mendoza, Komponist, Arrangeur, Orchesterchef, 16-fach Grammy-nominiert und 4-facher Grammy-Preisträger, ist die Musik von Joe Zawinul eine der wichtigsten Inspirationen. Mit der WDR Big Band hatte er ihn und die Band Syndicate bereits im Februar 2002 bei den Leverkusener Jazztagen anlässlich einer großen Session zu Zawinuls 70. Geburtstag begleitet und seine Kompositionen erstmals im Big Band Kontext neu erstrahlen lassen. Das daraus resultierende und angekündigte Live-Album blieb leider bis heute unveröffentlicht. Auf Anregung von Produzent Joachim Becker entstand jedoch im Oktober 2005 in Zawinuls Wiener Jazz Club „Birdland“ die Doppel-CD „Bown Sugar“, diesmal ausschließlich mit der WDR Big Band und abermals unter Leitung von Vince Mendoza. Bei dieser Session ebenfalls dabei waren der ehemalige Weather Report- und Syndicate-Bassist Victor Bailey sowie der Weather Report-Drummer Alex Acuna. Die orchestrale Umsetzung ausgewählter Weather Report-Stücke und Zawinul-Kompositionen wie „Black Market“, „A Remark You Made“ und „Night Passage“ begeisterte Joe Zawinul, denn die vielköpfige Big Band samt Gästen schaffte es nach nur vier Probetagen, die Bearbeitungen nicht wie Coverversionen sondern wie eigene Stücke mit eigener Identität klingen zu lassen. „Ich bin sehr happy über dieses Album“, freute sich Zawinul damals. Für sein Arrangement von Zawinuls Klassiker „In A Silent Way“ wurde Vince Mendoza 2008 mit einem Grammy ausgezeichnet. 
Der mehrfache Grammy-Gewinner Joe Zawinul hätte sich gewiss mit ihm über diese Ehrung gefreut. Ebenso wie er ganz bestimmt seine Freude gehabt hätte an den Arrangements für die vorliegende Hommage „Fast City“. Gelingt es dem erklärten Zawinul-Fan Vince Mendoza doch sogar Stücke umzusetzen, die sich im Grunde nur schwer für eine Live-Performance eignen, etwa „Nubian Sundance“ vom 1974 erschienen Weather Report Album „Mysterious Traveller“ – eine durchgehende Improvisation, die Zawinul zu Hause aufgenommen und dann selbst orchestriert hatte. Gleiches gilt für das vom selben Album stammende „Jungle Book“ oder das Stück „Peace“ von Zawinuls Solo-Album „Di-a-lects“ von 1986. Vince Mendozas Fähigkeit, sich in fremde Kompositionen hineinzuversetzen, ihren Kern, ihre Aussage und ihr Gefühl zu erfassen und dann eigenständig so umzusetzen, dass das Ergebnis über die Vorlage hinausgeht, ja buchstäblich mehr ist als die Summe ihrer Teile, macht den 49-jährigen aus Norwalk, Connecticut zu einem der am meisten gefragten Arangeure der Gegenwart, wie seine Arbeiten für John Scofield, Joe Lovano, Ralph Towner, Jim Beard, Elvis Costello Bob Mintzer, Randy Brecker oder Peter Erskine eindrucksvoll belegen.

Neun Songs umfasst „Fast City“ und kann damit selbstverständlich nur einen sehr begrenzten Ausschnitt zeigen aus dem umfangreichen kompositorischen Schaffen Joe Zawinuls, für den die Suche nach neuen Klängen, nach unbekanntem musikalischen Terrain zeitlebens die zentrale Antriebsfeder war. Und doch vermittelt diese Auswahl einen guten Eindruck davon, was ihren Schöpfer antrieb und welche Freude ihm seine jeweiligen Entdeckungen bereitet haben müssen. Die Kollektion deckt eine große Zeitspanne ab: Von „Jungle Book“ über „Orient Express“ (vom international besetzten und Grammy-nominierten Solo-Album „My People“, 1996), “The Juggler“ (vom Grammy-dekorierten Weather Report Klassiker „Heavy Weather“, 1977), „Nubian Sundance“, „Dream Clock“ und das namensgebende „Fast City“ vom 1980er Weather Report Album „Night Passage“, „Peace“, bis zu „Tower Of Silence“ vom 2002 erschienen Solo-Album „Faces & Places“ und natürlich dem unsterblichen „In A Silent Way“, das Joe Zawinul 1969 als Mitglied der Band von Miles Davis schrieb.

Die ungeheure Dynamik und Spannung, die Spielfreude und die packenden Dialoge zwischen Vince Mendozas erklärtem Lieblingsschlagzeuger Peter Erskine und dem feurig an den Percussions agierenden Alex Acuna sowie zwischen Organist Jim Beard und dem holländischen Ausnahmegitarrist Peter Tiehuis, umrahmt von einer der besten Orchesterformationen der Gegenwart. Eine tiefe Verbeugung, eine Danksagung an die Begeisterung Joe Zawinuls für neue musikalische Wege, die sein Vermächtnis ausmacht. Ein atemberaubendes Konzert, das endlich als CD vorliegt.

 

     
29.Oktober.2010
Metropole Orkest/ Vince Mendoza
Fast City - A Tribute To Joe Zawinul
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