The Headhunters
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THE HEADHUNTERS

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LIVE IN EUROPE

BHM 1030-2 (2CDs) • Vertrieb: ZYX • Vö: 01.08.2008

Vorsicht Falle. Eine Supergroup droht mal wieder mit großer Reuniontour. Und wir Fans dürfen froh sein, wenn die Geburtsurkunde wenigstens eines der Bandmitglieder mit denen der Ursprungs-Besetzung übereinstimmt. Egal, der Legendenstatus, der glorreiche Bandname, die Aussicht wenigstens ansatzweise den Sound von früher authentisch präsentiert zu bekommen, machen den Konzertbesuch schlichtweg zur Pflichtveranstaltung. Umso besser, wenn die Befürchtungen sich als unbegründet erweisen: wenn alle Skepsis in Euphorie umschlägt. So geschehen bei der Tour der Jazz-Funk-Legende The Headhunters, die 2007 flächendeckend durch Europa führte. Oberkopfgeldjäger Herbie Hancock war zwar nicht an Bord der Jazz-Funk-Fregatte, er war wohl zu sehr damit beschäftigt sich auf den Grammy-Gewinn 2008 vorzubereiten. Aber dafür die Original-Headhunters, Schlagzeuger Mike Clark und Bill Summers, verstärkt um dem Jazz-Funk-Anforderungsprofil entsprechende Neueinsteiger, den Saxofonist Donald Harrison (Meters), Keyboarder Jerry Z. (Fred Wesley, Melvin Sparks) sowie Bassist und "Funk Machine" T.M. Stevens (James Brown, Miles Davis).

Für alle, die 2007 live die Headhunters erleben, wird schon nach wenigen Augenblicken klar: dies ist keine Mogelpackung, sondern "the real stuff". Mike Clark gibt einen dieser unnachahmlichen Funk-Grooves vor, Bill Summers klingt sich ein, dann T.M. Stevens mit einer pumpenden Basslinie. Das Flagschiff des Jazz-Funk nimmt an Fahrt auf und zelebriert die Magie großer schwarzer Musik, von afro-kubanischen Rhyt-hmen bis zu emphatischem Soul. Und Stevens, Harrison und Jerry Z. lassen schnell vergessen, dass die Co-Architekten des Headhunters-Sounds, Bennie Maupin und vor allem Paul Jackson nicht dabei sind. Für viele Zeitzeugen klingen die Headhunters 2007 sogar besser als die Reunions-Band mit Clarke, Summers, Bassist Paul Jackson und Saxofonist Bennie Maupin, die Hancock 1998 für das Album "The Return Of The Headhunters" zusammenstellte. Aber das darf nun ein jeder mit der hier vorliegenden Doppel-Live-CD selber entscheiden.

Doch wer sind eigentlich die Headhunters? Selbst Funk-Forscher sind sich nicht ganz schlüssig: die Band, die auf Hancocks legendären, stilprägenden und erfolgreichsten Jazzalbum aller Zeiten namens "Headhunters" von 1973 mitmischte (und zwar mit Summers, aber statt Clark mit Studio-Ass Harvey Mason). Oder die Band, die als "The Headhunters" (erweitert um Gitarrist Dwayne Blackbird McKnight, späterer Gitarrist von George Clinton und den Red Hot Chili Peppers) zwei unter Vinylsammlern begehrte Alben ohne Hancock auf Arista Records, "Survival Of The Fittest" (1976) und "Straight From The Gate" (1977), aufnahm? Die Trackliste der vorliegenden Doppel-CD spricht für erste These: mit "Sly", "Watermelon", und "Chameleon" sind drei Tracks von Hancocks "Headhunters" vertreten, von den beiden Arista-Alben nur der Lieblingstrack aller Hardcore-Headhunters-Fans, dass unter anderem von NWA, Prince und Britney Spears gesampelte "God Make Me Funky".

Doch obwohl auf "Headhunters" Mike Clark nicht vertreten war, ist er neben Hancock der wichtigste Baustein des Headhunters-Sounds. Hancock erinnert sich: "Von den Jazz-Musikern, die ich kannte, wusste keiner so Recht Funk zu spielen, wie ich ihn hören wollte. Anstelle von Jazz-Muckern, die Funk spielen konnten, suchte ich mir Funker wie Mike, die auch mit Jazz etwas anzufangen wussten." Als Headhunters-Schlagzeuger Harvey Mason wegen Studio-Verpflichtungen nicht mit auf Tour gehen wollte, war Mike Clark zur Stelle. Er spielte nach der erfolgreichen Tour im Studio auf den Hancock-Klassikern "Thrust" (1974) , Man-Child" (1975) und dem Japan-Live-Album "Flood" (1975), bis ihm Hancocks immer kommerzieller werdender L.A.-Sunshine-Jazz-meets-Disco-Sound zu seicht wurde. Clark spielte später mit den Jazz-rockern Brand X, wobei er sich den Schlagzeugstuhl mit einem gewissen Phil Collins teilte, Betty Davis und Shawn Phillips. Bill Summers blieb ein wenig länger in Hancocks Band. Parallel bastelte er an einer Solo-Karriere und konnte ähnlich wie Miles-Davis-Percussionist Mtume mit eingängigem Disco-Funk (Hit: "Straight To The Bank") charten. Während Hancock mittlerweile Breakdance-Hits ("Rockit") produzierte und den Karriereknick abwenden konnte, wurde es Anfang der Achtziger um Clark und Summers ruhig. Nichts war in den coolen Achtzigern uncooler als Jazz-Funk, höchstens vielleicht noch Jazzrock-Gegniedel.

Doch als bewusstseinserweiterte HipHopper die Headhunters als Sample-Quelle entdeckten, waren diese wieder Up-to-Date, vor allem wegen Clarks knackiger Bass-Drum und seinem trockenem Snare-Anschlag. Doch neben ein wenig Kleingeld (insgesamt geschätzte 10.000 Dollar für die Sample-Rechte) hatte Clark nicht viel vom neu gewonnenen Interesse an Kopfgeldjäger-Grooves. Erst die florierende Jam-Band-Szene, die sich wie Karl Denson, DJ Logic oder Charlie Hunter von den Headhunters inspirieren ließ, brachte den entscheidenden Kick und das Comeback der Headhunters. Die – wie auf vorliegendem Tonträger zu hören (und zu sehen) – nichts von ihrer zeitlosen Faszination eingebüßt haben (und dabei nicht nur alte Klassiker spielen): Wilder Universal-Funk, gespielt mit der Tiefenschärfe des Jazz. Wenn die Welt gerecht ist, dann zahlt sich das grandiose Comeback von Summers, Clark & Co. auch in barer Münze aus. Denn vom Headhunters-Ruhm hatten beide nicht viel. Wie Summers zu berichten weiß: "Herbie Hancock machte mit den Headhunters Millionen, wir nur Dollars".

Bernd Schwope

     
01.August.2008
The Headhunters
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